US-amerikanische Arzneimittelbehörde warnt vor Ohrkerzen
Bereits 2007 bezeichnete Gute Pillen – Schlechte Pillen (GPSP 5/2007, S. 11) Ohrkerzen, die durch Unterdruck angeblich Gehör, Nasennebenhöhlen und Gleichgewichtsorgan günstig beeinflussen können, als „obskur“ und warnte vor deren Risiken: „Bei falschem Gebrauch ist sogar zu befürchten, dass Gehörgang oder Trommelfell geschädigt werden.“ Eben das bestätigt jetzt die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA.
Sie warnt vor einem Bündel an Gefahren, die selbst beim vorschriftsgemäßen Gebrauch drohen[1]
Verbrennungen können im Gesicht, in der Ohrmuschel, im Gehörgang oder im Mittelohr entstehen
Das Ohr kann durch tropfendes Wachs verletzt werden
Kerzenwachs kann die Ohren verstopfen
Blutungen durch Verletzungen sind möglich
Das Trommelfell kann durchstoßen werden
Medizinische Hilfe wird erst verspätet gesucht, obwohl sich dadurch Erkrankung oder Schmerzen verschlimmern
Auch die Brandgefahr ist erhöht.
Die Werbung für Ohrkerzen verspricht, dass Ohrenschmalz, Unreinheiten und Gifte aus dem Ohr gesogen werden und abfließen können. Auch bei Entzündung der Nebenhöhlen und Ohren, bei Kopf- und Ohrenschmerzen sollen die hohlen Stifte aus Bienenwachs oder Paraffin helfen. Es wird sogar versprochen, dass sich das Hören oder Hirnfunktionen bessern, dass Blut gereinigt und Krebs geheilt wird.
Nichts davon ist bewiesen. Mit klaren Worten versichert die FDA, dass weder für die Wirksamkeit noch für die Sicherheit von Ohrkerzen, zuverlässige wissenschaftliche Belege vorliegen - für keine der gesundheitlichen Versprechungen, die in der Öffentlichkeit verbreitet wird, wohl aber für die obengenannten Risiken.
Weder sei bei Überprüfungen ein Unterdruck messbar gewesen, der was auch immer aus dem Ohr heraussaugen könnte, noch ließ sich nachweisen, dass Ohrenschmalz aus dem äußeren Gehörgang herausgelöst wird. Es sah bei Testpersonen eher so aus, als sei das Ohrenschmalz tiefer in den Gehörgang geschoben worden, schreibt die FDA. Auch davor warnte Gute Pillen – Schlechte Pillen bereits vor zwei Jahren.
Stark besorgt ist die FDA, dass auch der Gebrauch bei Kindern beworben wird. Denn bei ihnen ist mit besonders hohem Verletzungsrisiko zu rechnen. Sie sitzen nicht still, das Ohr ist klein und die Kerzen sind groß.
Die FDA ruft Verbraucher und medizinisches Personal auf, Verletzungen in Zusammenhang mit dem Gebrauch von Ohrkerzen den Behörden zu melden. In Deutschland können Sie sich an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin wenden, damit eine entsprechende Meldung aufgenommen wird und an das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelangt. Ohrenkerzen gelten als Medizinprodukt.