




Lesen Sie auch Teil 1 (Nicht-Hormonelle Möglichkeiten)In der letzten Ausgabe berichteten wir über Möglichkeiten der Empfängnisverhütung ohne Hormone (GPSP 1/2007, S.6). Hier stellen wir nun hormonelle Methoden vor. Die populärste ist sicherlich die „Pille“. Mit jährlich fast zehn Millionen Packungsstreifen (2005), die jeweils für vier Wochen ausreichen, ist sie das meist verwendete Verhütungsmittel in Deutschland. Es gibt aber noch weitere hormonelle Methoden – mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen.
Diese meist als „Antibaby-Pille“ oder „Pille“ bezeichneten Hormonpräparate enthalten ein Östrogen und ein Gestagen (Gelbkörperhormon). Sie werden auch Ovulationshemmer genannt, da sie unter anderem den monatlichen Eisprung (Ovulation) verhindern. Es kann dann also kein Ei befruchtet werden. Weniger als eine von 100 Frauen wird pro Jahr schwanger, wenn sie die „Pille“ vorschriftsmäßig einnehmen. Anwendungsfehler erhöhen die tatsächliche Versagerrate auf bis zu 3%. Das heißt: Bis zu drei von 100 Frauen pro Jahr werden trotz „Pille“ schwanger.
Die „Pille“ wird meist drei Wochen lang täglich eingenommen, dann folgt üblicherweise eine einwöchige Pause.1 Am gebräuchlichsten sind so genannte Einphasenpräparate, die in jeder Tablette das Östrogen und Gestagen in konstanter Dosierung enthalten. Zwei- und Dreiphasenpräparate enthalten wechselnde Hormonmengen. Diese sollen die Schwankungen der Hormonspiegel während eines Zyklus nachahmen. Die anfänglich erhoffte bessere Verträglichkeit dieser Produkte bestätigte sich allerdings nicht.
Die verschiedenen „Antibabypillen“ unterscheiden sich hinsichtlich der Östrogendosis und der Art des Gestagens. Üblich sind Östrogenmengen pro Tablette zwischen 15 Mikrogramm und 35 Mikrogramm Ethinylestradiol (=0,015mg bzw. 0,035mg). Höher dosierte Präparate sind schlechter verträglich und besonderen Situationen vorbehalten. Manche Frauen sind beispielsweise auf Medikamente angewiesen, die die Wirksamkeit der Hormone mindern können. Hierzu gehören etwa Arzneimittel gegen Epilepsie. Ein häufiger Nachteil von Pillen mit besonders niedrigem Östrogengehalt (z.B. 15 Mikrogramm) sind Zwischenblutungen. Klingen diese nicht mit der Zeit ab, ist es ratsam, auf ein etwas höher dosiertes Präparat umzusteigen.
Was die enthaltenen Gestagene angeht, bestehen die längsten Erfahrungen mit Levonorgestrel (z.B. in Minisiston®, Monostep®) und Norethisteron (z.B. in Eve®, Conceplan®). Das gesammelte Wissen gibt mehr Sicherheit, solche Präparate sind daher anderen Pillen vorzuziehen. Für Frauen mit Akne-Problemen kann es hilfreich sein, ein Präparat auszuwählen, dessen Gestagen als „Nebenwirkung“ Akne lindern kann. Dazu gehört beispielsweise Chlormadinon (in Balanca®, Belara®).
Doch nicht alles, was die Werbung verspricht, stimmt: Niedrig dosierte „Pillen“ mit dem weniger gut erprobten Gestagen Drospirenon (Aida®, Petibelle®, Yasmin®, Yasminelle®) wurden kürzlich mit unseriösen Versprechungen vermarktet wie „Feel-good-Faktor“ oder „Figur-Bonus“. Dabei ist bei diesen Präparaten – wie bei anderen „Pillen“ auch – eher mit einer Gewichtszunahme zu rechnen.
Frauen können sich zur Schwangerschaftsverhütung auch ein Pflaster (Evra®) auf die Haut kleben. Das seit 2003 erhältliche Pflaster enthält wie die „Pille“ ein Östrogen und ein Gestagen. Der Östrogengehalt entspricht etwa dem einer Pille mit 35 Mikrogramm Ethinylestradiol, also einer „Pille“ mit einem relativ hohen Hormongehalt. Von dem in Evra® enthaltenen Gestagen Norelgestromin ist noch wenig zur Langzeitverträglichkeit bekannt, beispielsweise zum Risiko von Gefäßverschlüssen. Die Wirksamkeit ist fast so gut wie bei der „Pille“. In Studien haben aber Frauen, die das Pflaster anwenden, doppelt so häufig die Verhütung wegen Unverträglichkeit abgebrochen wie Frauen, die die „Pille“ schlucken (12% gegenüber 5-6%). Das Pflaster muss pro Zyklus dreimal im Abstand von sieben Tagen gewechselt werden, also jeweils am gleichen Wochentag.
Ebenfalls seit 2003 gibt es einen biegsamen Ring (Nuvaring®), der wie die „Pille“ ein Östrogen und ein Gestagen enthält. Er wird in die Scheide eingeführt. Die im Verlauf eines Tages aus dem Vaginalring freigesetzte Östrogenmenge entspricht in etwa der von Pillen mit 20 Mikrogramm Ethinylestradiol - also niedrig dosierten „Pillen“ wie Lovelle®. Das Gestagen des Vaginalrings heißt Etonogestrel. Es ist der Wirkbestandteil von Desogestrel, das durch ein etwas höheres Risiko von venösen Gefäßverschlüssen (Thromboembolien) aufgefallen ist (siehe oben: Östrogen- und Gestagehaltige „Pillen“). Der Vaginalring muss jeweils nach drei Wochen entfernt werden. Dies soll am gleichen Wochentag und auch zur gleichen Uhrzeit erfolgen wie das Einsetzen. Nach exakt einer Woche Pause wird dann ein neuer Ring eingeführt. Der Vaginalring scheint etwas weniger zuverlässig zu wirken als die „Pille“.
Die „Minipille“ enthält als Hormon nur ein Gestagen, das dem von den Eierstöcken gebildeten Hormon ähnlich ist. Die Levonorgestrel-haltige „Minipille“ wirkt vor allem, indem sie den Schleim im Gebärmuttermund verdickt. Dies hindert die Spermien daran, in die Gebärmutter zu gelangen und dort eine Eizelle zu befruchten. Optimal eingenommen wird von 100 bis 200 Frauen innerhalb eines Jahres eine Frau schwanger. Bei Anwendungsfehlern steigt die Versagerrate auf etwa drei bis fünf.
Die Levonorgestrel-haltige „Minipille“ (Microlut®, 28 Mini®) muss grundsätzlich jeden Tag zur selben Tageszeit genommen werden. Im Gegensatz zur „Pille“ wird keine Einnahmepause eingelegt. Wird die „Minipille“ vergessen, kann bereits bei einer Verschiebung um drei Stunden der Empfängnisschutz versagen. Wahrscheinlich wirkt sie bei Frauen, die mehr als 70 kg wiegen, weniger zuverlässig.
Bei der vergleichsweise hochdosierten Desogestrel-haltigen „Minipille“ Cerazette® bleibt die Effektivität erhalten, wenn eine vergessene Tablette innerhalb von 12 Stunden doch noch eingenommen wird.
„Minipillen“ kommen vor allem dann infrage, wenn die „Pille“ mit zwei Hormonen aus gesundheitlichen Gründen ungeeignet ist. Dies gilt für Raucherinnen, die älter als 30 Jahre sind, außerdem für Frauen mit Migräne und Krampfadern sowie für stillende Mütter. Die Desogestrel-haltige „Minipille“ kommt wegen ihrer größeren Zuverlässigkeit auch für junge Frauen in Frage.
Die so genannten Depotspritzen (Depo-Clinovir®, Noristerat®) enthalten ein Gestagen, das nach der Injektion aus einem Reservoir unter der Haut kontinuierlich in den Körper abgegeben wird. Die Spritze wirkt acht bis zwölf Wochen lang und ist sehr zuverlässig: Weniger als eine von 100 Frauen pro Jahr wird schwanger. Die Spritzen verhindern wie die „Pille“ den Eisprung und wirken zudem auf den Schleim in der Gebärmutter wie eine „Minipille“.
Bei dieser Methode wird von der Ärztin oder dem Arzt ein kleines Plastikstäbchen (Im-planon®) unter die Haut gebracht. Dieses setzt drei Jahre lang ein Hormon (Gestagen) frei. Danach muss es ausgetauscht oder entfernt werden. Korrekt eingesetzt wirkt das Implantat sehr zuverlässig: Pro Jahr wird deutlich weniger als eine von 100 Frauen schwanger. Das Implantat hemmt wie die Depotspritze den Eisprung und macht den Schleim in der Gebärmutter zäh, sodass die Spermien nicht „vorwärtskommen“.
Das T-förmige Intrauterinpessar (IUP) Mirena® wird von der Ärztin oder dem Arzt in die Gebärmutter eingesetzt und kann dort fünf Jahre lang bleiben. Es gibt kontinuierlich geringe Mengen des Gelbkörperhormons Levonorgestrel ab. Die Wirksamkeit beruht wie bei den hormonfreien IUP (siehe GPSP 1/2007, S. 6) auf einem Fremdkörpereffekt, der die Einnistung des befruchteten Eis verhindert. Ferner macht das Hormon der „Spirale“ – wie die Gestagen-haltige -„Minipille“ – den Schleimpfropf im Gebärmuttermund zäher, sodass die Spermien nicht so leicht in die Gebärmutter vordringen. Die Zuverlässigkeit entspricht der der „Pille“: Durchschnittlich wird weniger als eine von 100 Frauen pro Jahr schwanger.
Die so genannte „Pille danach“ (auch Notfallpille genannt) kann hilfreich sein, wenn es an fruchtbaren Tagen zu ungeschütztem Sex gekommen ist oder wenn eine Verhütungsmethode versagt hat, beispielsweise ein Kondom gerissen ist (GPSP 2/06, S.12). Die „Pille danach“ enthält das Gestagen Levonorgestrel in hoher Dosierung (Duofem®, Levogynon®, Uno-fem®). Sie sollte innerhalb von zwölf Stunden nach dem Malheur eingenommen werden, jedoch nicht später als nach 72 Stunden. Je früher, desto besser. Hat sich bereits ein befruchtetes Ei eingenistet, ist das Mittel nutzlos. Bei einer Einnahme innerhalb von 24 Stunden wird etwa eine von 200 Frauen schwanger, bei Einnahme nach 48 bis 72 Stunden sind es etwa drei von 100 Frauen oder noch mehr. Sehr häufig ist mit Nebenwirkungen zu rechnen: In einer Studie traten z.B. Übelkeit bei 23 von 100 Frauen, Erbrechen bei 6 von 100, Müdigkeit bei 17 von 100 und Schwindel bei 11 von 100 Frauen auf.
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Hinweis
1 Bisweilen nehmen Frauen auch die „Pille“ eine Zeit lang kontinuierlich, also ohne Pause ein. In diesem Zeitraum bleibt die Regelblutung aus. Die gesundheitlichen Folgen der ununterbrochenen Hormoneinnahme sind noch nicht genügend untersucht.

