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Foto: Maria Brzostowska, fotolia.com

Textprobe aus GPSP 6/2007

Abwarten und Tee trinken

Akute Bronchitis: Antibiotika sind meist nutzlos

Besonders im Winterhalbjahr wird allerorten gehustet. Husten ist das typische Symptom einer akuten Bronchitis und kann das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen. Die akute Bronchitis ist meist Folge eines so genannten "grippalen Infekts" und beruht auf einer Entzündung der unteren Atemwege (Bronchien). Im Gegensatz zu so genannten banalen Infekten der oberen Atemwege (Schnupfen) geht sie häufig mit einem schlechten Allgemeinbefinden, zunächst trockenem Husten und Fieber einher. Meist heilt die akute Bronchitis ohne Komplikationen von selbst ab. Der Husten kann jedoch mehrere Wochen lang anhalten.

Pro Jahr erkranken etwa fünf von 100 Erwachsenen an akuter Bronchitis. In der Regel wird sie durch Viren verursacht, nur bei jedem Zehnten sind Bakterien für die Erkrankung verantwortlich. Antibiotika sind gegen Viren völlig wirkungslos. Umso erstaunlicher ist es, dass Ärzte zwei von drei Patienten von Anfang an Antibiotika verordnen. Sie wirken sich weder auf die Genesung noch auf die Dauer der Arbeitsunfähigkeit günstig aus.1,2 Aber sie können unangenehme Nebenwirkungen haben.

Von chronischer Bronchitis spricht man, wenn in zwei aufeinanderfolgenden Jahren in mindestens drei Monaten hintereinander an den meisten Tagen Husten und Auswurf vorkommen. Meist sind Raucher und Exraucher betroffen. Diese Form der Bronchitis ist im Gegensatz zur akuten Bronchitis nicht durch Viren verursacht und muss anders behandelt werden.

Die Behandlung mit Antibiotika wird bisweilen damit begründet, dass sich dadurch Komplikationen - wie die Entwicklung einer Lungenentzündung - abwenden ließen. Dafür gibt es aber keinen wissenschaftlichen Beweis. Auf der anderen Seite ist unbestritten, dass die weitverbreitete unnötige Behandlung mit Antibiotika Bakterien gegen zuvor wirksame Präparate zunehmend resistent, also widerstandsfähig, macht. Wird irgendwann wirklich einmal ein Antibiotikum benötigt, hilft es dann möglicherweise nicht mehr. Eine bedrohliche Komplikation jeder Antibiotikabehandlung ist übrigens eine akute Darmentzündung.
Es gibt nur wenige Situationen, in denen man bei einer akuten Bronchitis wirklich ein Antibiotikum braucht: Das betrifft in erster Linie Menschen, die an anderen schweren Erkrankungen, z.B. der Lunge oder des Herzens leiden.3,4

Gespräch senkt Antibiotika-Bedarf
Angesichts der Sinnlosigkeit und Gefahren der "Überverordnung" von Antibiotika bei akuter Bronchitis stellt sich die Frage, warum Ärzte diese bei ansonsten gesunden Menschen so häufig verordnen. Wahrscheinlich nehmen sie an, dass ihre Patienten eine Verordnung wünschen und zufriedener sind, wenn sie die Praxis mit einem Rezept für ein Antibiotikum verlassen. Wissenschaftliche Studien ergeben aber ein anderes Bild. So wurden Patienten, die ihren Hausarzt wegen einer akuten Bronchitis aufsuchten, in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine wurde über Ursachen und Verlauf ihres Infekts aufgeklärt, die andere Gruppe nicht. Tatsächlich gingen die "Aufgeklärten" seltener - aber immer noch zu oft - mit einem Antibiotikum-Rezept in die Apotheke (64% ) als die "Unaufgeklärten" (85% ). Die Zufriedenheit mit der Behandlung unterschied sich in beiden Gruppen aber nicht.5

Abwarten und Tee trinken

Allgemein wird empfohlen, dass man bei akuter Bronchitis mit Fieber - falls keine andere Krankheit dagegen spricht - viel trinken soll. Das soll den Bronchialschleim flüssiger machen und das Abhusten des Schleims erleichtern. Auch sollten Sie darauf achten, dass die Raumluft nicht zu trocken ist. Dampfinhalationen können zumindest das Gefühl der Linderung der Beschwerden bringen. Reiner Wasserdampf reicht. Auf Zusätze sollten Sie lieber verzichten. Sie können reizen, insbesondere die Atemwege von Allergikern. Und passen Sie auf, dass Sie sich nicht verbrennen! Auch gegen einen warmen Brustwickel ist nichts einzuwenden, wenn er als angenehm empfunden wird. Solche Empfehlungen lassen sich übrigens ebenfalls nicht mit Studien absichern. Da mit Wasserdampf und Wickeln kein Geld zu verdienen ist, gibt es für solche Untersuchungen keine Finanziers.
Viele andere Maßnahmen gegen Bronchitis sind entbehrlich oder manchmal sogar schädlich. Sehr häufig werden so genannte schleimlösende Medikamente (Mukolytika), wie Acetylcystein (Fluimucil® u.a.) verordnet. Ihr Nutzen ist allerdings umstritten und wissenschaftlich nicht belegt. Angeboten werden auch zahlreiche pflanzliche Mittel, beispielsweise mit Efeuextrakt (Prospan® u.a.) oder Thymianextrakt (Aspecton® u.a.). Sie werden traditionell als Hustenlöser verwendet und stammen aus einer Zeit, in der an den Nachweis der Wirksamkeit von Arzneimitteln nur geringe Ansprüche gestellt wurden. Ungünstig ist zudem der oft hohe Alkoholgehalt flüssiger Zubereitungen (z.B. 47% Alkohol in Prospan® Hustentropfen).
Meist ist es nicht angebracht, den Hustenreiz zu dämpfen. So genannte Hustenblocker, wie das rezeptpflichtige Codein oder Dihydrocodein (Paracodin®), die bei quälendem, trockenem Reizhusten für wenige Tage sinnvoll sein können, verhindern nämlich, dass das Sekret aus den Bronchien abgehustet werden kann. Abzuraten ist von rezeptfreien Erkältungsmitteln, die Antihistaminika enthalten wie Grippostad® oder Wick Medinait®. Sie machen nicht nur müde, sondern möglicherweise auch den Schleim in den Bronchien zäh und klebrig. Auch dies hat zur Folge, dass er schlechter abgehustet werden kann.

Auch für Umckalaobo® fehlende überzeugende Wirkungsnachweise, darauf hat GPSP bereits mehrfach hingewiesen, zuletzt in GPSP 6/2006, S. 5.

Unsinnige "Vorbeugung"

Nach wie vor hält sich das Gerücht, mit hohen Dosierungen von Vitamin C lasse sich einer Erkältung oder einem grippalen Infekten mit Husten vorbeugen. Hierfür gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis. Auch für stark beworbene pflanzliche Mittel wie Echinaceaextrakt (Echinacin® u.a.) fehlen überzeugende Belege des Nutzens zur Prophylaxe und Behandlung von Erkältungskrankheiten (siehe auch GPSP 1/2005, S. 4).6 Die viel beworbenen Zinkpräparate haben ebenfalls keinen nachgewiesenen vorbeugenden Effekt.

Eine akute Bronchitis kann mehrere Wochen lang anhalten. Dies darf nicht als Zeichen einer schweren und deshalb Antibiotika-erfordernden Erkrankung missverstanden werden. Bei anhaltendem Husten, dessen Ursache nicht geklärt ist, oder bei einer deutlichen Verschlechterung des Befindens, sollten Sie zum Arzt gehen.

Vorbeugen
Ein Stück weit kann man sich vor einer Bronchitis und auch vor einer Erkältung schützen. Die Viren verbreiten sich nach heutiger Auffassung vorwiegend durch direkten Kontakt mit infizierten Personen, also durch die Übertragung von Schleimpartikeln, z.B. beim Händegeben. Eine Infektion ist auch möglich, wenn man angehustet oder angenießt wird, doch scheint dieser Infektionsweg eher seltener zu sein. Der beste Rat: Abstand halten zu Personen, die offensichtlich erkrankt sind, nicht die Hand schütteln und auch auf Umarmung und Küsschen verzichten. Eine Zeit lang muss ein "distanzierter" Gruß reichen. Übrigens - gegen Bronchitis und Lungenentzündung, die von Influenza-Viren verursacht ist, kann eine Grippeimpfung schützen.

Quellen

1   Wenzel, R.P. et al.: N. Engl. J. Med. 2006; 355 : 2125-2130

2   Denne, C. et al.: Arzneiverordnung in der Praxis 2007; Heft 4:  99-100

3   Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie, Deutsche Gesellschaft für    Pneumologie, Deutsche Gesellschaft für Infektiologie, Kompetenznetzwerk CAPNETZ: Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen tiefen Atemwegsinfektionen (akute Bronchitis, akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis, Influenza und andere respiratorische Virusinfektionen) sowie ambulant erworbener Pneumonie (S3-Leitlinie): www.uni-duesseldorf.de/AWMF/II/082-001.htm AWMF-Leitlinien-Register Nr. 082-001, Stand: 28. Juni 2005, zuletzt geprüft: 29. August 2007.

4    Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Empfehlungen zur Therapie von akuten Atemwegsinfektionen. Arzneiverordnung in der Praxis (Sonderheft), 2. Auflage, 2002

5    Gonzales, R. et al.: Ann. Intern. Med. 2001; 134: 479-486

6    Höffler, D.: Arzneiverordnung in der Praxis 2006; Heft 1: 19

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